Pressemitteilung 13.11.09

Besetzende übergeben Audimax an Universitätsleitung.

Hörsaal vier ist inzwischen vier Tage besetzt. Schon seit Mittwoch versuchte die Universitätsleitung zusammen mit den Besetzenden alternative Räume zu finden, damit diese sich weiterhin kritisch mit Bildungspolitik auseinandersetzen können. Den Studierenden und Anderen werden zwei Räume für mindestens ein Jahr zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen einer Kundgebung ziehen diese am Freitag, den 13.11.2009 um 13:45 Uhr dorthin um.

Dort wird die inhaltliche Arbeit fortgesetzt. Zusammen mit der Studentischen Selbstverwaltung und der Universitätsleitung sollen bestehende Probleme angegangen werden. Außerdem ist es ein zentrales Moment, einen möglichst breiten Dialog unter den Studierenden und SchülerInnen über ihre jeweiligen Ansprüche an Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft zu befördern.

Vor mehr als drei Wochen haben Studierende Teile der Universität Wien besetzt. Diese Protestform breitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa aus. Auch in Greifswald wurden Hörsäle im Audimax zum Freiraum erklärt. In Solidarität mit den Kämpfen ihrer österreichischen KommilitonInnen und unter dem Motto „Der Mensch ist kein Humankapital“ setzen sie sich für eine grundlegend andere Hochschulorganisation ein.

Schon am Dienstag wurde ein erster Forderungskatalog im großen Plenum beschlossen. Er orientiert sich inhaltlich an den Zielen des bundesweiten Bildungsstreiks und geht darüber hinaus auf konkrete Missstände an
der Universität Greifswald ein. An der Besetzung beteiligten sich Studierende aus verschiedensten Fachrichtungen, Jahrgängen und politischen Gruppen sowie Einzelpersonen. Es wurden neue Kontakte geknüpft, aus denen eine Gruppe von AktivistInnen hervorging, die sich in Zukunft weiterführend kritisch mit (bundesweiter) Bildungspolitik auseinander setzen wird.

Die Besetzenden haben dabei ihrerseits diverse Solidaritätsbekundungen von Studierenden, Fachschaftsräten, Gewerkschaften, Parteien und anderen Gruppen erfahren. Obwohl der AStA Greifswald mit den Forderungen konform geht und die Besetzung von der Universitätsleitung geduldet wurde, distanzierte er sich von der Aktion.
Die ablehnende Haltung wird von den Besetzenden als vertane Chance angesehen, eine europaweit stattfindende Zeichensetzung für dringend notwendige Reformen im Bildungsbereich zu unterstützen. Forderungen sind unter anderem ergebnisoffene, europaweite und grundsätzliche Debatten über die Zukunft von Bachelor und Master, sowie die generelle Absage an Studien-, Verwaltungsgebühren und Studienkonten.
Außerdem kritisieren die Besetzenden willkürlich gesetzte Aufnahmegrenzen für Masterstudiengänge und fordern
mehr Mitbestimmungsrechte bei bildungspolitischen Entscheidungen. Ein umfassendes und paritätisches Recht auf Mitbestimmung muss auch SchülerInnen zugestanden werden.

Neben diesen bundesweiten Forderungen spielt die sich rasant verschlechternde Studiensituation in Greifswald eine zentrale Rolle. Aufgrund von finanziellen Engpässen kam es u.a. zur Streichung von Stellen, der Schließung unterschiedlicher Studiengänge sowie ganzer Institute. So geht die Diversität immer mehr verloren. Diese Einengung der Möglichkeiten in Forschung und Lehre trifft in unterschiedlichem Umfang alle Fakultäten. Aufgrund dieser Vorgehensweise droht eine Universität zur Hochschule zu werden, welche noch stärker an die Nachfrage der Wirtschaft gebunden ist.
Statt dessen sollte sich das Angebot der Universitäten an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Im Rahmen der Besetzung ist es den Beteiligten gelungen, ein vielseitiges Programm auf die Beine zu stellen. Dieses beinhaltete politische Diskussionen, Workshops, Filmvorführungen und Live Musik. Daneben konnte bald die Verpflegung im Rahmen von Volxküchen selbst organisiert werden. Dieses Angebot stand auch allen anderen offen. Außerdem wurden die gestressten Studierenden mit Obst, Kaffee und Kuchen versorgt.

Weiterhin musste keine Vorlesung ausfallen, da von den Besetzenden alternative Räume organisiert wurden. Das wurde auch von der Universitätsleitung gelobt.

Am Montag beginnen die bundesweiten Bildungsstreikwochen. Auch die Studierendenschaft in Greifswald wird
sich mit unterschiedlichsten Aktionen daran beteiligen.

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