Grundsatzerklärung

Die folgende Erklärung wurde seit 16:00 Uhr diskutiert und um 22:00 Uhr einstimmig von den ca. 50 Studenten beschlossen. Diese soll als Diskussionsgrundlage für das große Plenum morgen um 16:00 im Audimax HS 5 dienen. Ihr seid alle herzlich eingeladen, dazuzustoßen, mitzudiskutieren und diese Forderungen zu erweitern oder zu verändern.

Prolog

Die aktuelle Situation

In ganz Österreich haben Studierende seit über drei Wochen ihre Unis besetzt. 8000 Menschen sind in der vergangenen Woche in Wien auf die Straße gegangen, um gegen die geplante Einführung von NCs und landesweiten Studiengebühren zu protestieren.
Auch in Polen und Mazedonien gab es Aktionen unter dem globalen Motto „education is not for $a£e!“. Aus Argentinien und Kroatien wurden Solidaritätsschreiben verschickt.
In Deutschland haben Studierende der Universitäten Münster, Potsdam, München, Heidelberg, Tübingen, Darmstadt und Marburg Hörsäle ihrer Universitäten besetzt.
Mediale Aufmerksamkeit, welche diesen schon so zahlreichen Protest einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen würde, hat es bisher leider nicht gegeben. Unser Anliegen im Audimax Greifswald ist es daher, ein weiteres Zeichen zu setzen und uns zu solidarisieren, damit die Forderungen gehört werden und das grundsätzliche Problem unserer Gesellschaft endlich in den Mittelpunkt gestellt wird.

Ein Mensch ist mehr als Humankapital!

Egal in welchem Lebensbereich, wir alle werden am Prinzip der Wirtschaftlichkeit, der Effizienz und Größen wie Rentabilität und Profit gemessen.
Die Aussage „das können wir uns nicht leisten“ ist DAS zentrale „Argument“, ob bei Fragen der Sozialstaatlichkeit oder aber bei der Finanzierung des Bildungssystems. Dabei stehen nicht nur Universitäten im Zwang alle ihre Finanzen beständig rechtfertigen zu müssen. Schulen geraten ebenso immer stärker unter Druck. Ausstattungsgegenstände sind Mangelware, Gebäude verfallen und Lehrkräfte werden immer weiter reduziert.
Allen Menschen ist die Relevanz der Bildung bewusst und die meisten sind der Meinung, dass unser Bildungssystem in seinem jetzigen Zustand nicht in der Lage ist, junge Menschen adäquat auszubilden.
In einem Land, dessen Reichtum in den letzten Jahrzehnten immer stärker gestiegen ist, sich seit 1960 sogar verdreifacht hat, kann die zentrale Frage nicht länger sein „wie finanzieren wir unsere Bildung“, sondern wo ist unser Reichtum geblieben, den wir gewonnen haben und wieso führt eine sinkende Zahl von Schülerinnen und Schülern bei wachsendem gesellschaftlichen Reichtum nicht zu mehr Geld in unserem Bildungssystem?

In unserer Diskussion haben wir die folgenden Punkte als die relevantesten für unsere Universität Greifswald herausgearbeitet:

– Wir sind gegen die geplanten Budgetkürzungen im Landeshochschulpakt. Diese verschärfen die dramatische Situation der Lehre weiter.

– Wir sprechen uns gegen den bundesweiten Trend aus, in den mehr und mehr Bundesländern Studien- und Verwaltungsgebühren einzuführen. Außerdem sprechen wir uns gegen die bestehenden Studiengebühren aus.

– Der Zustand zahlreicher Universitätsgebäude ist untragbar. Einsturzgefährdete Treppen in der Anglistik, bröckelnder Putz an der Institut für Rechtswissenschaften und undichte Fenster im Institut für Musikwissenschaften sind nur einige Beispiele für den unzumutbaren Zustand der Hörsäle der Universität Greifwald. In der Folge behindert dies auch ein optimales Lernklima.

– Mehr Studierende brauchen mehr Personal. Die Kürzungsrunden der vergangenen Jahre haben das viel gelobten optimalen Verhältnis von Studenten zu Lehrenden in Greifswald unverhältnismäßig verschlechtert. Die Personalengpässe führen zu hohen Ausfallquoten und in diesem Semester sogar zu monatelangen Verzögerungen der Klausurkorrekturen. Dies führt zu Unsicherheit, Verzögerungen im Studium und hat für manche StudenInnen sogar finanzielle Folgen.

– Die vergangenen Institutsschließungen lassen ein weiteres Ausbluten der Universität Greifswald befürchten. Wir fordern den Erhalt des Status der Volluniversität und besonders den Erhalt der Lehramtstudiengänge.

– Die willkürlich gesetzte Aufnahmegrenze für Masterstudiengänge muss aufgehoben werden. Wir fordern einen Master für alle. Die unnötige Aufnahmebeschränkung ist nur ein Beispiel für die ungerechte Selektivität des deutschen Bildungssystems.

– Die Erfahrungen der letzten Semester haben gezeigt, dass der Bachelor mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Insbesondere verlangen wir eine kritische Überprüfung der Lehrangebote im Bereich der General Studies. Die Fächer müssen freier kombiniert werden dürfen. Und die Genral Studies sollten insgesamt weniger stark in die Bachelor Abschlussnote einfließen.

– Um in Zukunft besser und früher auf die Probleme der Studenten reagieren zu können, müssen die Studenten auch im engere Senat der Universität paritätisch vertreten sein. Mehr Mitbestimmung muss auch für  Schülerinnen und Schülern realisiert werden.

– Bolongna ist gescheitert! Statt der Europäisierung der Wissenschaften wurden die Studiengänge verkürzt und verschult. Wir fordern eine ergebnissoffene, europaweite und grundsätzliche Debatte über die Zukunft von Bachelor und Master.

Wir fordern den AstA, das StuPa und dem Senat auf diese Themen zu berücksichtigen. Wir ermutigen alle Studenten diese Fragen auch auf der Vollversammlung am 9. Dezember zu thematisieren.

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